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| Dr. Heinrich Stromer - ein bekannter Bürger unserer Heimatstadt Auerbach | |||||||
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Grabstätte von Dr. Heinrich Stromer Dr. Heinrich Stromer von Auerbach ist am 26. November 1542 in Leipzig verstorben, nachdem er am Vortag sein Testament beim Stadtrat hinterlegt hatte. Die Testamentseröffnung wurde am 26. Februar 1543 vollzogen. Die Beerdigung fand als eine der ersten auf dem außerhalb der Stadt neu angelegten Johannisfriedhof statt, wo Stromer 1538 eine der 27 Familiengrüfte gekauft hatte. Im Verlauf der Belagerung Leipzigs im Januar 1547 wurde der Johannisfriedhof völlig verwüstet, die Grabstätten eingeebnet, die Grüfte verfüllt und die Kapellen abgebrochen. Es ist deshalb heute nicht mehr feststellbar, wo sich Stromers Gruft befunden hat. In der Nikolaikirche hat Stromers Schwiegersohn Dr. med. Caspar Nævius zum 10. Todestag Heinrich Stromers einen hölzernen Epitaph aufrichten lassen, der als Datum »M. D. LII. D. OCTOBR. XXVI.« nennt. Das Monatsdatum ist vermutlich von Salomon Stepner in seinem Buch »Inscriptiones Lipsienses« (Leipzig 1675, S. 126 pos. 442) fehlerhaft wiedergegeben, es muss korrekt »November« heißen. Der lateinische Text des Epitaphs ist im Stepner abgedruckt. Bei der klassizistischen Umgestaltung der Nikolaikirche in den Jahren 1784-1797 ist dieser Epitaph zusammen mit vielen anderen Kunstwerken verloren gegangen. (vergl. dazu auch Goethe: Altdeutsche Gemählde in Leipzig. [Im März 1815] in: Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Stgt. u. Tübgn. 1830, 39. Band, S. 271 ff) So muss bedauerlicherweise die Schlussfolgerung gezogen werden, dass kein authentisches Erinnerungszeichen an Heinrich Stromer von Auerbach in Leipzig erhalten ist. In Auerbachs Keller ist die Kopie eines Porträts aus der Cranach-Werkstatt zu sehen, das Heinrich Stromer als jungen Mann zeigt; ebenso ein Kupferstich-Porträt in reicher Kartusche, vermutl. von Johann Peter Hoffmann (1629-1698), der in Nürnberg seit 1655 einen Kunsthandel betrieb.
Eine Universitäts-Episode aus dem
Jahre 1502 Am 18. Oktober 1502 wird in Wittenberg eine neue Universität gegründet. Damit ist der fast 100 Jahre älteren in Leipzig ein unmittelbarer Konkurrent erwachsen. Von der Wittenberger Gründung erfährt der junge, neunundzwanzigjährige sächsische Herzog Georg, Regent gerade erst seit zwei Jahren, während eines Aufenthalts in Leipzig. Er reagiert kurz entschlossen. Ohne Vorankündigung schickt er den Rektor und alle Dozenten in Klausur und befiehlt ihnen, jeder einzelne solle, ohne Absprache mit den Kollegen zu treffen, offen und ehrlich ein Gutachten über die Zustände an der Leipziger Universität verfassen. Dazu verlangt der Herzog, dass man ihm Vorschläge unterbreite, wie man die längst als kritikwürdig bekannten Zustände bessern könne. Die 45 Schriftstücke lässt er noch am selben Tage einsammeln, sie sind im Dresdner Hauptstaatsarchiv unter der Signatur Locat 10596 noch heute einzusehen. Diese Stellungnahmen sind eine einzigartig authentische Quelle über den Zustand der Universität kurz nach 1500. Die theologische Fakultät steht besonders in der Kritik. Die Theologen haben sich den Klöstern entfremdet und verfolgen nur ihren Eigennutz. Wer eine Pfründe in Magdeburg, Naumburg oder Merseburg hat, kommt nur selten nach Leipzig. Einem Professor wird vorgehalten, er habe in 15 Jahren weniger als 50 Vorlesungen gehalten. Die medizinische Fakultät, die kleinste der Universität, »führte ein kaum beachtetes Stillleben […] so dass jetzt kein Magister und nur wenige zu Leipzig sind, die in der Fakultät studieren.« Die Magister klagen über zu hohe Promotionskosten, über den Egoismus der Professoren, über Tyrannei und Cliquenwirtschaft. Junge Magister werden mit allen Mitteln schikaniert, so weist man ihnen Vorlesungszeiten von vier bis fünf Uhr morgens an, zu denen die Studenten naturgemäß wenig Drang zur Wissenschaft verspüren. Besonders deutliche Worte findet Heinrich Stromer von Auerbach, 20 Jahre alt und seit einem Jahr Magister an der medizinischen Fakultät: »Etliche alte Magister, welche allein ihren Nutzen und nicht den gemeinen befördern, wollen keine gelehrten jungen Magister nach Verdienst oder Stand erwählen, sondern sie allzeit zurücksetzen. Darum tut es not, die alten Magister abzusetzen, sonst wird es nimmermehr gut in der Universität, denn sie lieben mehr das Geld als den gemeinen Nutzen.« Die massive Kritik der Gelehrten zeigt Folgen, Herzog Georg ernennt 23 Magister zu Professoren. Mit seiner offen kritischen Haltung hat sich Heinrich Stromer von Auerbach für eine akademische Karriere empfohlen. Im Sommersemester 1508, er ist noch nicht promoviert, wird er zum Rektor gewählt. !524 ist er Dekan der medizinischen Fakultät und führt, damals eine Sensation, in Leipzig die Anatomie ein. Intensiv forscht er zur Pest und gelangt zu der Einsicht, dass auch in diesem Falle Prophylaxe Erfolg versprechender ist als Therapie. Deshalb seine Empfehlung: »Potus sanus Vinum potius et Cereuisia bibendam.« [Als gesunde Getränke müssen Wein und Bier getrunken werden.] Um nach dieser Weisheit leben zu können, richtet er in seinem Hause einen Weinausschank für die akademische Gemeinde ein – Auerbachs Keller. Zu seinen prominenten Gästen gehört nicht nur der weitbeschreite Alchimist Johann Faust, sondern auch Martin Luther. Als dessen Freund bekennt Heinrich Stromer: »Die Reformation ist für alle Künstler von Nachteil gewesen außer den Ärzten. Denn alle Maler, Bildhauer, Goldschmiede beklagen sich, dass sie hungern müssten, den Ärzten aber nützt es, dass, nachdem die Heiligen aufgehört haben, die Kranken zu heilen, die Menschen wieder bei den Ärzten Zuflucht suchen müssen.« Und als Resümee seiner Arbeit als Mediziner lesen wir 1538 bei Heinrich Stromer von Auerbach: »Ich bin nun länger als vierzig Jahre als Arzt tätig gewesen und habe die Erfahrung gemacht, dass mehr Menschen an Traurigkeit und Seelenschmerz sterben als eines gewaltsamen Todes.«
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